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Die Afrika-Tour - Seite 4 von 11

3. Etappe (April/Mai 1990): Tamanrasset (Algerien) - Lome (Togo)

Zelten in der Sahara

50 Grad im Schatten. Noch 250 km bis zur Niger-Grenze. Die Sonne glüht hinter einem Dunstschleier. Ich ziehe mein Rad mehr durch den Sand, als daß ich es schiebe. Endlich, ein einzelner, vertrockneter Baum. Vollkommen erschöpft lasse ich mich und das Rad in den Halbschatten fallen. Meine Wasservorräte sind zu Ende, von den fünf bis zehn Lkw, die angeblich pro Tag passieren sollen, keine Spur. Die Piste ist breit, auf unzähligen Spuren sucht sich hier jeder seinen eigenen Weg durch die heisse Sandhölle. Die nächste Pistenmarkierung, ein Betonpfahl, hätte ich längst passieren müssen. Weitab höre ich einen Lkw, unsichtbar und unerreichbar für mich. Lange halte ich es in der Hitze ohne Wasser nicht mehr aus.

der letzte Markierungspfosten hinter Tamanrasset

Dann endlich: Ein Lkw kommt auf meiner Spur genau auf mich zu und ich lade mein Rad bis Arlit in der Republik Niger auf. Doch bis dahin ist es noch weit, eine Woche brauchen wir für die 400 km und es stellt sich heraus, daß die Fahrt mit dem Lkw nicht weniger anstrengend ist als mit dem Rad. Alle 10 Minuten stecken wir in einem der unzähligen Sandfelder fest und meine Hände sind bald zerschunden vom dauernden Ausgraben und Legen der Sandbleche. Die Mittagsglut verbringen die beiden Algerier und ich unterm Lkw mit Teetrinken und Schlafen, bevor wir abends, wenn die Sonne tief steht, weiterfahren. Einmal kommen wir weit von der Piste ab, aber mit Hilfe von Karte und Kompass finden wir rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück.

Wieder allein auf dem Rad, komme ich nach Agadez im nicht minder heissen Niger, wo ich ein paar Tage bei den Tuaregs verbringe, die, nie richtig sesshaft, in Karawanen durch die südliche Sahara ziehen. Das abendliche Essen vor der Strohhütte ist zwar richtig gemütlich und familiär, zumal sich jeder mit den Händen aus einer Schüssel bedient, meinem Magen will die fremde Kost aber nicht so recht schmecken und so verbringe ich später einige Tage mit den Folgen in einem Hotelbett.

vor den Lehmhäusern in Agadez

Dafür fertigt mir der "Grand frère" der Familie, eine Autorität in allen Lebensfragen, ein Papier mit geheimnisvollen Zeichen an, die er aus einem uralten Koranbuch überträgt. Der Preis von ein paar Franc ist geradezu geschenkt, wie ich erfahre, hilft das Wunderpapierchen doch gegen Banditen und andere unschöne Erscheinungen am Strassenrand. Gleich an der ersten Polizeisperre hinter Agadez kann ich die Wirkung ausprobieren: Wegen Überfällen ist die Straße für mich als Radfahrer zunächst gesperrt. Als ich aber mein Wunderpapier hervorzaubere, kramt der dicke Polizist stolz seinen eigenen Talismann, ein Stück Tierfell heraus und gibt mir zu verstehen, daß damit und mit ein paar Franc für ihn die Banditengefahr fürs erste gebannt sei. Ich ziehe es vor zu warten, und mit dem Personalwechsel am nächsten Morgen verschwinden auch die Banditen wie von selbst. Mit jedem Kilometer wird es jetzt grüner um mich herum, und dem trockenen Busch im Niger folgt langsam feuchter Sumpfwald in Benin und - leider - auch die gefürchteten Moskitos. Übernachtungen im Freien sind nicht nur wegen der nächtlichen Gewitter in der Regenzeit nicht mehr so ratsam, es gibt Löwen, Elefanten und Schlangen, mit denen ich den Schlafplatz nur ungern teilen möchte. In fast jedem Dorf finde ich aber einen europäischen Entwicklungshelfer oder aber eine katholische Mission, deren besorgte Schwester mich ausser mit Bett und Essen auch gleich noch mit dem Segen für die Weiterfahrt versorgen. Nach der Wüste habe ich das Gefühl durchs kühle Paradies zu radeln, neben Mangos und Bananen an der Straße gibt es sogar "Supermärkte" mit bescheidenem europäischen Angebot. Einzig störend ist der ewige Gegenwind von der Küste.

In der ehemaligen Hauptstadt Benins, Abomey, ist der Königspalast auf jeden Fall einen Besuch Wert: Einer der Könige war mit 4000 Frauen verheiratet, eine reife Leistung bei einer Lebenserwartung von damals etwa 30 Jahren! Und dann: Endlich wieder das Meer, endlose Palmenstrände.

Einen kleinen Abstecher nach Togo habe ich gemacht, vor allem des Essens wegen. In der Hauptstadt Lomé gibt es vom Supermarkt bis zum Fahrradgeschäft nämlich fast alles, seit dem Besuch von F.J. Strauss sogar ein original Münchner Gasthaus mit Schweinshax'n und bayerischem Weissbier. Na denn: Prost!

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