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Die Tour - Highlights

Diese Seite enthält eine kurze Zusammenfassung unserer Tour. Im Gegensatz zum vollständigen Tourbericht, der aus seinerzeit veröffentlichten Zeitungsartikeln besteht, haben wir diesen Text wie alle übrigen Texten für unsere Internet-Seiten eigens neu geschrieben.
In der Navigationsleiste links lassen sich über das Highlights-Verzeichnis die einzelnen Abschnitte dieses Textes mit den Tour-Highlights und über das chronologische Verzeichnis einzelne Passagen des vollständigen chronologischen Tourberichts aufrufen.

Wie wir uns kennenlernten

Jens und ich lernten uns erst vier Wochen vor der Abfahrt “zufällig” beim Impfen kennen: Vor mir verließ ein junger Mann mit Fahrradtaschen in der Hand das Wartezimmer des Hygiene-Instituts in Frankfurt. Die Ärztin erzählte mir, mein Vorgänger habe das gleiche vor wie ich auch: Von Frankfurt nach Kapstadt mit dem Fahrrad zu fahren. Ich wurde neugierig. Das Ärztegeheimnis umging ich, indem ich die Telefonnummer meines Vorgängers rasch aus dem Impfbuch abschrieb, als die Ärztin den Impfstoff holte. Noch am gleichen Abend rief ich an - und hatte Jens aus Kelkheim, einem Nachbarort, an der Strippe. Und er wollte Afrika tatsächlich ebenfalls auf dem Rad durchqueren. Wir verabredeten uns und planten zunächst einmal, die Durchquerung der Sahara, vor der wir beide höllischen Respekt hatten, zusammen in Angriff zu nehmen. Wir bereiteten uns getrennt auf die Reise vor, d.h. jeder hatte sein eigenes Zelt, Schlafsack, Werkzeug etc. dabei, um unabhängig voneinander zu sein.

die (vorerst) letzten Tage zu zweit

Die Trennung

Nach der Hälfte der Saharadurchquerung, die uns physisch und psychisch das letzte abverlangte, trennten wir uns wieder. Zu unterschiedlich waren unsere Vorstellungen über Route, Tagesablauf und Tageskilometer. Während ich oft die kühlere Nacht zum Weiterradeln nutzte, fuhr Jens fast immer nur am Tag. Ich hatte außerdem geplant, an der Westküste entlang ins südliche Afrika zu radeln, während Jens am Äquator entlang erst einmal Ostafrika besuchen wollte. Ein Vorteil des Alleinreisenden ist zweifellos der intensivere Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Auf einen einzelnen Menschen reagieren Einheimische viel offener und vorbehaltsloser als auf eine Gruppe. Der Nachteil (und den bekamen wir beide ziemlich bald zu spüren): Sämtliche unangenehmen und gefährlichen Situationen muß man alleine meistern.

weitere Aussichten: sonnig und trocken...

Den Tod im Auge

Hinter Tamanrasset (Algerien) geht die Piste rasch in Weichsand über. Viele Spuren führen hier in alle möglichen Richtungen. Meine Wasservorräte sind nach 2 Tagen verbraucht. Man hatte mich gewarnt. Einmal noch fülle ich bei einem Overlander meine Flaschen nach, dann bin ich allein in der endlosen Wüste. Tamanrasset liegt jetzt vier Tage zurück und ich trinke den letzten Tropfen aus meiner Fahrradflasche. Immer schwerer fällt das abwechselnde Fahren und Schieben im Sand, kein Schatten weit und breit, kleine, schwarze Fliegen rauben den letzten Nerv. Schließlich sinke ich in den Halbschatten eines verdorrten Baums, zu schwach selbst, mich gegen die lästigen Fliegen zu wehren. Ich bekomme Angst, Erinnerungen an Warnungen steigen in mir hoch, ich fange an zu halluzinieren. Sieht so das Ende aus, denke ich noch.
Wieviel Zeit vergangen ist, weiß ich nicht, aber plötzlich höre ich ein Fahrzeug. Ist das noch derselbe Tag? Der LKW kommt genau auf mich zu, zwei Männer springen heraus, helfen mir auf – und geben mir Wasser! Ich kann nicht mehr aufhören zu trinken. Ein tolles Gefühl, ich bin gerettet. Die beiden überführen einen LKW nach Westafrika und ich fahre mit ihnen bis nach Arlit in der Republik Niger.

Malaria!

Schon am Abend hatte ich keinen richtigen Appetit gehabt, und das trotz des guten Essens meines Gastgebers, eines libanesischen Geschäftsmannes.
Der nächste Tag hinter Benin City in Nigeria beginnt sehr hügelig. Das Klima kommt mir heute besonders unerträglich vor. Ich muß dauernd anhalten und mich ausruhen. Was ist bloß los? Dann geht alles sehr schnell. Innerhalb einer halben Stunde breche ich am Straßenrand zusammen. Hohes Fieber fährt mir in die Glieder. Ich schaffe es gerade noch, ein Fahrzeug zurück nach Benin City anzuhalten, wo mich mein besorgter Gastgeber wieder aufnimmt. Ich bin mir sicher: Das kann nur Malaria sein! Sofort nehme ich die volle Dosis Lariam und lege mich ins Bett. Für drei Tage versinke ich in einen von Halluzinationen, Alpträumen und Fieberschüben geprägten Horrortrip...

Ein unglaublicher Zufall

In Bangui, der Hauptstadt Zentralafrikas, gibt es eigentlich kaum Straßenschilder. Trotzdem bin ich gerade in Polizeigewahrsam - wegen angeblichen Radelns gegen die Einbahnstraße! Es geht aber eigentlich um die Aufbesserung des spärlichen Monatsgehalts des Polizisten – und wir sind uns fast handelseinig geworden - als ich plötzlich hinter mir meinen Namen höre: Nach drei Monaten und über 5000 km steht Jens hinter mir und nachdem der Polizist bezahlt ist, fallen wir uns in die Arme. Auch Jens hatte die Malaria erwischt und hatte wie ich erfahren, wie wichtig da ein Freund gewesen wäre.
Wir waren uns sofort einig, die restlichen 14000 km bis Kapstadt zusammen zu radeln. Eine gute Entscheidung, wie sich wenig später zeigte.

Unter Dieben

im Regenwald in Zaire

Der Tropenregen im Kongo hämmert wie jede Nacht mächtig gegen das Zeltdach. Wir schlafen neben einem winzigen Dorf mitten im zairischen Regenwald. Wie immer heißt es früh aufstehen und ich greife wie jeden Morgen ins Vorzelt nach meinen Schuhen.
Aber da ist nichts.
Ich fahre aus dem Halbschlaf hoch und schaue ungläubig nach. Auch keine Fahrradtaschen. Gestohlen! Ich wecke Jens und renne wie ein Irrer den Urwaldpfad ein Stück in der Morgendämmerung entlang. Nichts! Das ist das Ende: Keine Ersatzteile, keine Medikamente, keine Filme. Den Beweis für den Diebstahl finde ich im Urwaldschlamm verstreut: Briefe meiner Freundin. Fahrrad, Pass und Kamera sind noch da, letztere waren wie immer im Schlafsack verstaut. Zwei Tage brauche ich, um mich von dem Schock zu erholen und um einzusehen, daß auch die folterähnlichen Verhöre der Dorfbewohner durch das betrunkene Militär meine so dringend benötigten Ausrüstungsgegenstände nicht wieder zurückbringen. Schweren Herzens, und mit Gummisandalen und kurzer Hose von Jens als meiner einzigen Bekleidung, machen wir wieder uns auf den Weg.

unterm Gipfel des Kilimanjaro

Ein sprichwörtliches "High"-Light

Das Mondlicht hebt die Felsen scharf gegen den blauen Nachthimmel ab. Es ist eiskalt, vielleicht 15 Grad unter Null. Der neugefallene Schnee verteilt das Licht gleichmäßig hell über das endlos steile Geröllfeld. Taschenlampen brauchen wir nicht, dafür umso nötiger Wollmützen und Handschuhe gegen die schneidende Kälte.
Die Rede ist noch immer von Afrika. Wir befinden uns knapp unterhalb des Äquators, allerdings fast 5000 Meter hoch. Noch 800 Höhenmeter bis zu Afrikas höchstem Gifpel, dem knapp 6000 Meter hohen Kilimanjaro, einem riesigen, erloschenen Vulkan. Die Luft ist äußerst dünn geworden, fast jeder aus unserer kleinen Gruppe ist höhenkrank. Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit machen die letzten Meter zur Tortur, jeder Schritt kostet Überwindung, und besonders Jens und mir setzt die Eiseskälte nach acht Monaten afrikanischer Hitze zu. Dann, bei Sonnenaufgang, sind wir oben. Gletscher und bizarre Eiskaskaden blitzen um uns herum auf. Endlos wandert der Blick über Kenia und Tansania, tief unter uns. Die wärmenden Sonnenstrahlen lassen Anstrengung und Schwäche für einen Moment vergessen, bevor wir uns über endlose Geröllserpentinen auf den Weg zurück zur letzten Hütte machen. Die Zeit drängt, eine Stunde später verschlucken die Wolken schon wieder alles. Mit jedem Meter nimmt der Luftdruck wieder zu und der Kopfschmerz ab, und so beeilen wir uns mit dem Abstieg...

"am Ziel" - aber was kommt danach?

...geschafft!

Unser vielleicht emotionalster Moment war der plötzliche und unerwartete Ausblick vom letzten Pass auf Kapstadt und den Tafelberg am Horizont: Dieser Anblick hatte sich durch alle Krankheiten, durch Hunger und Durst, durch endlose Schlamm- und Sandfelder, tropische Hitze und Eiseskälte, Heimweh, durch alle Hoch- und Tiefpunkte dieser langen Reise als Antizipation in unser Gehirn eingegraben - und jetzt war er plötzlich wirklich da, und gleichzeitig war unsere Reise von einem auf den anderen Tag zu Ende. Nach den ersten paar Tagen in Kapstadt, als wir mit dem Besuch des Kap der Guten Hoffnung unsere Reise auch geographisch korrekt abgeschlossen hatten, stellte sich plötzlich das Gefühl einer lähmenden Leere ein. Das Erreichen eines Ziels, das über ein Jahr unseren Tagesablauf bestimmt hatte, war auf einmal nicht mehr Lebensinhalt. Den fanden wir erst nach und nach wieder. Uns gefiel Kapstadt, dieses “schönste Ende der Welt”, auf Anhieb so gut, daß wir ziemlich bald beschlossen, hier Wurzeln zu schlagen. Der Anfang war nicht leicht. Jens, gelernter Elektriker, arbeitete bei Siemens und ich, arbeitsloser Regisseur, in einem Nachtcafe. Zwischendurch versuchten wir beide noch einmal kurz, in Deutschland “Fuß zu fassen”, aber mehr, um uns selbst noch einmal vor Augen zu führen, was im Grunde schon beschlossene Sache war: Uns in Kapstadt selbsständig zu machen mit der Organisation und Durchführung von Fahrradreisen, um dieses einmalig schöne Land Südafrika, das jetzt unsere zweite Heimat geworden war, rad- und naturbegeisterten Menschen aus unserer ersten Heimat zu zeigen.

Mit der Gründung von African Bikers ist diese Idee 1993 zur Wirklichkeit geworden.

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